INTEGRATIVE

Grenzen überwinden – Abiturienten klettern mit Kindern mit Handicap

Welches Kind träumt nicht davon, einmal so richtig hoch zu klettern – an einer Kletterwand, durch Seil und Gurt gesichert?

Für Kinder mit geistiger Behinderung bleibt das meist ein Traum!

Klettern bedeutet, Verantwortung für den Partner zu übernehmen, Vertrauen in den Partner zu entwickeln, sich mit Höhe auseinander zu setzen, Bewegung zu planen, Kraft richtig einzusetzen….persönliche Grenzen zu überwinden, um dann voller Stolz, glücklich und ausgepowert von oben herunter zu winken und zu rufen: „schaut alle her, ich hab´s geschafft!“ Ein Erlebnis, das gerade für Kinder mit Handicap ganz besonders wertvoll ist!

Die Idee mit Kindern mit Behinderung zu klettern war da, aber woher so viele Menschen bekommen, die die Kinder sichern, die einfühlsam sind, die motivieren, die Angst nehmen oder den Übermut bremsen…

Eine Kooperation mit dem Rheingaugymnasium Geisenheim war die Lösung. Daniel Bagus, Sportlehrer mit dem Angebot „Klettern im Sportkurs für Abiturienten“ musste nicht lange überzeugt werden. „Da bin ich dabei, das klingt spannend und bietet auch den Abiturienten ganz neue Erfahrungen."

2011 startete das kooperative Projekt erstmalig: 15 Kinder mit Handicap (geistiger, seelischer und/oder körperlicher Behinderung) nahmen während der Dauer von 3 Monaten am Sportkurs „Klettern“ der Jahrgangsstufe 13 teil. Immer 5-7 Kinder kletterten mit ihren festen Partnern an der Kletterwand währen die anderen Kinder mit ihren Partnern aus dem Abikurs Spiele aus der Erlebnis- und Abenteuerpädagogik spielten. So konnten die Rheingauschüler ihren persönlichen „Schützling“ kennenlernen, Vertrauen aufbauen und auch lernen mit Verhaltensweisen umzugehen, die nicht alltäglich sind. Manch einer lernte „sein“ Kind zu verstehen, auch wenn die Worte fehlten. Die Begeisterung der Kinder zu erleben, ihre Zuneigung zu spüren, ihren Stolz, ihren Übermut aber auch ihre Angst zu sehen, das waren für die jungen Erwachsenen einmalige bisher unbekannte Erfahrungen. Und so war auch die einstimmige Meinung nach dem Projekt: „Wir sind froh, dass wir dabei waren und würden es jederzeit wieder erleben wollen. Es darf nicht bei einem einmaligen „Projekt“ bleiben, sondern es sollte institualisiert werden“.

So starteten wir von Januar bis April 2013  in die 2. Runde. Aufgrund der Umstellung zu G 8 waren die Rheingauschüler diesmal 2 Jahre jünger als bei unserer 1. Kooperation. Die meisten der Kinder mit Handicap waren schon einmal 2011 dabei gewesen, als kleine Profis kannten sie sich aus und so entfiel zumindest bei den Kindern die anfängliche Phase des vorsichtigen Kennenlernens.  Es dauerte nur eine Stunde und die Energie, die Spritzigkeit und Bewegungsfreude war auf die jungen Erwachsenen, die 2014 ihr Abitur machen, übergeschwappt. Neben dem Klettern nahm die Spielfreude der Paare einen großen Raum ein. 

Uns fiel auf, dass das Klettern an der Kletterwand auch diesmal ein Highlight war, dass sich die Kinder aber noch mehr auf ihren Freund und Partner, der 1,5 Stunden nur für sie da war, freuten. War er einmal krank, so konnten schon ein paar Tränen fließen auch wenn sich natürlich gleich ein anderer "Großer" fand.

Es ist sehr viel Dynamik in den Stunden und wirklich planbar sind diese Stunden nicht, dafür sind sie voller Überraschungen, Emotionen und Unvorhergesehenem, voller Lachen, Spaß und einmaligen Erfahrungen!

Inzwischen ist auch schon unser 5. Durchlauf mit 3 Monaten Klettern im Gymnasium vorbei. Mit dem Sportlehrer Herrn Stadermann haben wir wieder einen engagierten Partner im gemeinsamen Erlebnisunterricht gefunden. Diesmal waren wir mit 15 Kindern mit Behinderung im Kurs mit 15 Abiturienten. Auch 2016 hatten wir gemeinsam riesig viel Spaß!

Ende 2016 begann Andel Glock, die das Inklusionsprojekt seitens der Turngemeinde begleitet mit der ganz neuen Ausbildung "Trainer C, Klettern für Menschen mit Behinderung" des Deutschen Alpenvereins. In der 2,5 wöchigen Ausbildung lernt man behindertenspezifische Unterstützungs- und Sicherungsmaßnahmen, man lernt spezielle Routen für Menschen mit handicap zu schrauben, die es den Teilnehmern erleichtern, zu klettern. Hierfür sollen auch spezielle Griffe und Tritte erworben werden, um abgestimmt auf die teilnehmenden Kinder, Routen schrauben zu können. Beide Maßnahmen, sowohl die Trainerausbildung als auch der Kauf von Griffen wurde gefördert und unterstützt durch das Hessische Ministerium des Inneren und für Sport. So durfte Andel Glock für die Turngemeinde am 22.12.2016 aus den Händen von Minister Beuth einen Scheck über 1.700,00 € entgegen nehmen. Herzlichen Dank! Auch dem Landessportbund Hessen, der uns bei allen neuen Ideen und Projekten beratend und unterstützend zur Seite steht, sei an dieser Stelle herzlich gedankt!

 

 

 

Ansprechpartner: Andel Glock

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