INTEGRATIVE

Inklusion „Abenteuer Alpen“ der Turngemeinde Rüdesheim für Kinder mit und ohne Behinderung 2015

Eine großartige Woche im Schnee ...

Rüdesheim „Ein unvergessliches Erlebnis“ – so lautet das einhellige Fazit der ungewöhnlichsten Fahrt im Programm der Turngemeinde Rüdesheim (TGR): „Abenteuer Alpen“. Nach der Premiere 2014 wagten die Verantwortlichen in diesem Januar eine Neuauflage – und kehrten am Wochenende erneut begeistert zurück. Mehr noch: „Die einwöchige inklusive Schneefreizeit für Kinder und Jugendliche zwischen sieben und 17 Jahren war noch schöner als im vergangenen Jahr“, sagte Andel Glock, bei der die Fäden der Fahrt zusammenliefen, nach der Ankunft in Rüdesheim.
Die Kinder konnten nahtlos an ihre erlernten Ski- und Snowboardkünste aus dem vergangenen Winter anknüpfen. Kämpften die 16 ehrenamtlichen Übungsleiter und Betreuer der Turngemeinde Rüdesheim damals noch damit, ständig Helme, Schuhe und Ski zu den Kindern zu sortieren, so zeigten die Teilnehmer diesmal, dass sie zu guten Ski-und Snowboardfahrern geworden waren. Hilfe für die Kinder mit Behinderung gewährten nicht nur die Betreuer, sondern vor allem die übrigen Kinder. „Ein tolles Miteinander“, freuten sich die Organisatoren über die unerwartete Entlastung und das Miteinander. „Das ist Inklusion, wie wir sie als Breitensportverein verstehen“, hob TGR-Vizevorsitzender Günter Glock hervor, der zum Betreuerteam gehörte.
Die Fahrt stand von Beginn an unter einem guten Stern. Drei Tage vor Beginn begann es am Zielort in Au im Bregenzerwald zu schneien. Die 27 Kinder, 14 davon mit geistiger Behinderung, konnten bei ihrer Ankunft 60 Zentimeter Schnee im Tal bejubeln. Als dann auch noch die Sonne durch den wolkenverhangenen Himmel brach, genossen alle Beteiligten optimale Bedingungen.
Das herrliche Wetter und die hervorragenden Schneebedingungen trugen dazu bei, dass die Teilnehmer große Fortschritte machten. Fast alle Ski- und Snowboardgruppen erkundeten den Hausberg von Au, der Diedamskopf (2000 m), täglich mit wachsender Begeisterung. Ein Besuch auf einem Erlebnisbauernhof, eine Pferdeschlittenfahrt im Tal, eine Fackelwanderung und ein Rodelnachmittag verkürzten die Zeit zwischen dem Skifahren und dem gemeinsam gekochten Abendessen mit anschließender Spülparty. Die Abende verbrachte die Gruppe, die sich aus Kindern mit Behinderung (meist aus Wohngruppen des St. Vincenzstift), Kindern aus Wohngruppen der Jugendhilfe Marienhausen und Anderen zusammensetzte, mit Gesellschaftsspielen, Vorlesen und dem sehnlichst erwarteten Discoabend.
Möglich wurde das zweite „Abenteuer Alpen“ erneut nur, weil Sponsoren die Fahrt mit Sach- und Geldspenden unterstützten. Heimische Gewerbetreibende spendeten tiefgefrorene selbst zubereitete Speisen sowie Brote und Brötchen für eine ganze Woche. Mitglieder und Freunde der Turngemeinde Rüdesheim stellten Skikleidung, Helme, Ski- und Skischuhe sowie Snowboards und -boardschuhe zur Verfügung. Privatpersonen, Stiftungen und Unternehmen finanzierten den Bus, das Selbstversorgerhaus und die Skipässe.

Die integrative Schneefreizeit hat längst über die Grenzen des Rheingaus hinaus große Beachtung gefunden. Im November ehrten der Deutsche Olympische Sportbund und die Volksbanken Raiffeisenbanken das Engagement sowohl mit einem bronzenen (auf Kreisebene) als auch dem silbernen (auf Landesebene) Stern des Sports. Ende Januar präsentiert der Verein das Projekt bei der bundesweiten Siegerehrung in Berlin, wo sich die TGR mit den Siegern aus den übrigen Bundesländern um den „Goldenen Stern des Sports“ bewirbt.

Gesammelte Eindrücke ...

Erlebnisbericht - Von 40 die auszogen, den Schnee zu erobern ...

Ein Jahr Vorbereitung, riesige Vorfreude, Spannung – und dann ging es los Eigentlich begann das Abenteuer schon einen Tag vor der eigentlichen Abfahrt, denn die gesamten Lebensmittel, die vorgekochten Gerichte, 450 Brötchen, 25 Brote, 40 Paar Blades, 40 Paar Skischuhe und die Helme mussten in einem Kleinbus verpackt werden – geschafft!
Samstag, 4.1.2014 – 9.00 Uhr Abfahrt mit einem großen Reisebus an der Halle für Alle! 24 Kinder, ca. die Hälfte ohne geistige Behinderung im Alter von 7 bis 17 Jahren und Betreuer eroberten ihren Bus im Nu und machten Bekanntschaft mit dem nettesten Busfahrer überhaupt. 16.30 Uhr Ankunft in Au im Bregenzerwald im Hollandheim einem behindertengerechten Selbstversorgerhaus: Ausladen, Zimmer beziehen, auspacken – zusammen mit 24 engagiert helfenden aufgeregten Kindern – Tag eins neigte sich nach einer leckeren Gemüsesuppe recht turbulent seinem Ende zu.
Ausgeschlafen?? begann Tag zwei um 7.30 Uhr mit dem Wecken. Zum Glück hatte Petra ein tolles Frühstücksbuffet für uns gerichtet, bei dem alle etwas nach ihrem Geschmack fanden. Schnell noch spülen und dann zu jedem Kind die passenden Skischuhe suchen und beim Anziehen helfen, verlorene Handschuhe finden und Helme zu Köpfen sortieren. Das war wie ein lebendes Puzzle mit gefühlten 1000 Teilchen!
Der „Berg“ ruft! Auf einem fast ebenen Platz machten wir unsere ersten Ski- und Snowboardversuche. Schon allein das Laufen mit den klobigen Skischuhen an den Füßen, stellte manch ein Kind vor große Herausforderungen, schnallt man dann diese Schuhe noch auf total glatte Blades, wird eine Hang“neigung“ von 5° zur Mutprobe. Kinder aufheben, schieben, ziehen, loben, bremsen: das ergab am Ende müde Betreuer und begeisterte Kinder! Mittagspause! Hatten wir doch gedacht, den Mittag mit Schneespielen oder Spielen im Haus zu verbringen – weit gefehlt – alle wollten wieder auf den „Berg“ – der Ski- und Boardvirus hatte uns erfasst! Ausgepowert beschlossen wir unseren 1. Skitag mit Gesellschaftsspielen und Vorleserunden nach einem Nachmittag voller kleiner und großer Erfolge am „Berg“.
Tag 3 – strahlender Sonnenschein und heute wollten wir den Tellerlift mit seinem Anfängerhang erobern. Die ersten Kids schafften es, stehend und gewollt zu bremsen und Anfänge von Kurvenfahrten ließen sich erahnen. Der Spaß war riesig und riss alle mit. Auch wenn es an diesem Tag noch ganz schön viele Schneekraken gab und diese vielen tollen Fahrten ein abruptes Ende setzten, so schafften ein paar Kids es trotzdem, alleine mit dem Tellerlift zu fahren – das Glück in den Augen – unbeschreiblich!
Tag 4: ein ganz besonderer Tag, denn wir hatten ein Geburtstagskind! 1000 Sonnen am Himmel und jede Menge Erfolgserlebnisse am Ski- und Snowboardhang! Zur Mittagspause fuhren wir mit der Gondel zum 1. Mal ganz hinauf auf den Diedamskopf, unserem Hausberg mit über 2.000m. Atemlose Stille, große staunende Augen als die Gondel langsam über der Baumgrenze den Blick auf die Bergspitzen der Alpen frei gab. Stahlblauer Himmel und schneebedeckte Berge soweit das Auge reichte – ein besonderer Moment! Danach ging´s mit der Gondel wieder herunter, denn am Haus warteten schon 3 Pferdekutschen auf uns. Wir alle genossen die Kutschfahrt, bescherte sie uns doch eine Stunde Entspannung und still sitzende Kinder! Nach dem Abendessen sangen wir zur Gitarre und ließen den Tag gemütlich
ausklingen.
Tag 5: Petrus meinte es wieder gut mit uns und heute nach der Mittagspause wagte sich eine kleine extrem mutige Gruppe von Ski- und Boardfahrern das erste Mal auf den großen Berg, um die Abfahrt zur Mittelstation zu bewältigen. Das war schon etwas anderes als der kleine Tellerlift im Tal und so waren die Kids auch heilfroh, dass jeder seinen Betreuer mit dabei hatte, der Mut machte, lobte und die erste lange und steile Abfahrt zu einem tollen Erlebnis für alle werden ließ. Währenddessen versuchte sich eine andere Gruppe weiterhin voller Ehrgeiz an der 1. Liftfahrt mit dem Teller und den ersten Kurven. 7 Kinder hatten sich an diesem Nachmittag
entschlossen, den weithin bekannten Ziegenbauernhof zu besuchen. Über 100 Ziegen, Schafe, Schweine und Kühe galt es zu bewundern. Das Schönste jedoch war, die gerade geborenen Zicklein auf dem Arm halten zu dürfen.
Tag 6 und vorletzter Skitag: gemeinsam begannen wir den Morgen wieder am Tellerlift. Die meisten Kinder konnten inzwischen alleine fahren und genossen die Freiheit, den Hang hinunter zu sausen. Die Übungleiter konnten sich währenddessen intensiv um die Kinder bemühen, die noch nicht alleine fahren konnten – mit Erfolg!! Der Stolz und die Freude es nun endlich den Kumpels gleich zu tun war grenzenlos – nicht nur bei den Kindern. Nachmittags durften dann die sicheren Fahrer mit der Gondel ins große Skigebiet, während andere Kinder sich eine Tellerpoppesrutsche bauten oder mit dem Bob den Hang hinunter sausten. Abends bastelten wir die Deko für die Abschlussparty!
Tag 7 und 10cm Neuschnee! Die Begeisterung für´s Ski- und Boardfahren war ungebrochen und durch den neu gefallenen Schnee wurden die Abfahrten zu einer neuer Erfahrung und die Bekanntschaft mit den vermehrt aufgetauchten Tiefschneekraken wurde intensiviert. Als kein Kleidungsstück mehr trocken war, freuten sich alle auf die geplante Disco am Abend. In dem hauseigenen Partykeller, der bis dahin verschlossen war, gab´s dann pures Discofeeling und alle verausgabten sich beim Tanzen, um dann etwas später als sonst und mit den ersten Abschiedstränen in den Augen ins Bett zu fallen.
Tag 8: der Rheingau hat uns wieder – der Abschied fällt uns schwer, denn wir sind zusammen gewachsen, hatten grandiose Sporterlebnisse, haben Freunde gefunden und wissen, dass eine superschöne Woche zu Ende ist. „Ich wäre sooo gerne noch geblieben“, meinte ein Mädchen beim „Radio tgr-Interview“ während der Busfahrt – ja, das wären wir alle gerne!


Premiere des kurzen Filmes über unsere „Zeit in Au“ an der Mitgliederversammlung der Turngemeinde am 16.05.2014, 19.00 Uhr im Foyer der Halle für Alle. Schaut doch mal vorbei!

Euer Schneefreizeitteam

Abenteuer Alpen 2015

Vom 3.1.2015 bis 10.01.2015 ist das Haus in Au gebucht – auch 2015 können wir nur Richtung Alpen aufbrechen, wenn uns viele Menschen unterstützen, wenn viele sagen: wir alle gemeinsam lassen das Abenteuer Alpen wahr werden!
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